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Wie mache ich mein lokales Medium offline bekannter?

Wer ein lokales Medium startet, schafft in der Regel ein völlig neues Angebot, dessen Bekanntheit sich nicht mit etablierten Medienmarken messen kann. Umso wichtiger ist, die eigenen Zielgruppen klar zu definieren und dezidiert anzusprechen – und zwar online und offline gleichermaßen. Ein Ausflug ins publizistische Marketing vor Ort.

Vermarktung
Vermarktung kommt von Markt: man muss das Produkt zum Kunden bringen – und der Kunde muss es mögen, damit er wieder kommt.

Online ist vieles kostenlos möglich oder „kostet“ lediglich Zeit wie zum Beispiel Auftritte in Social Media. Offline ist das anders: alles, was helfen soll, die eigene Bekanntheit zu steigern, muss auf irgendeinem Material produziert und meistens verteilt werden. Es muss aber nicht viel kosten, denn vieles kann heute kostengünstig hergestellt werden. Man muss sich immer bewusst machen, dass man mit einer Werbebotschaft in Konkurrenz zu tausenden anderen Werbebotschaften steht, die tagtäglich auf uns über Augen und Ohren einprasseln. Es gilt also, aus der Masse heraus zu stechen und gleichzeitig nach der Aufmerksamkeit auch das Interesse zu wecken. Ein Bedürfnis oder Verlangen muss entstehen und schließlich muss der Empfänger der Werbebotschaft zu einer Aktion bewegt werden. In Marketing-Kreisen ist das als das AIDA-Prinzip bekannt.

Tipp 1: eine einprägsame Webadresse

Nachrichten gibt es im Internet (und auch im Radio und TV) kostenlos und permanent. Die Werbebotschaft muss also etwas möglichst Exklusives transportieren. Bei einem Lokalblog könnte das sein „Alles Wichtige aus unserer Region XY – informier Dich auf www.xy-news.de“. Idealerweise ist XY eine gängige Abkürzung, wie zum Beispiel das Kfz-Kennzeichen. Das ist nun in der Tat kein sonderlich kreatives Beispiel, aber der Empfänger der Werbebotschaft muss ja neben der Bedeutung sich noch an den Inhalt erinnern, wenn er später die Webseite besuchen möchte. Daher muss die Webadresse so eingängig wie möglich sein. Dank mittlerweile sehr günstigen Kosten für .de-Domains (zum Teil unter einem Euro im Monat) können auch ein paar gleichlautende Domains bestellt werden, zum Beispiel www.xy-news.de und www.xynews.de, wenn leicht Verwechslungen passieren können. Der Besucher muss sich also nicht mal mehr die genaue Schreibweise merken.

Kleiner Tipp: Englisch ist auch nicht jedermanns Sache. Einfach mal schauen, wohin die Domain www.rtlnau.de führt ;-).

Tipp 2: Kleidung und Equipment als Reklametafel

Wer von Ereignissen vor Ort berichtet, trifft zwangsläufig auf andere Menschen. Die Kollegen von Radio und TV sind nicht nur an ihrer Technik leicht zu erkennen, oft prangt auf dem Schaumstoffüberzug des Mikros (der Wind- oder „Popschutz“) deutlich erkennbar das Sender-Logo. So sieht jeder Radio xy ist da und wird höchstwahrscheinlich seinen Freunden davon erzählen oder selbst den Sender einschalten, um den Beitrag zu hören.

Wer „nur“ schreibt, kann dann selbst zur Reklametafel werden (Radio- und TV-KollegInnen selbstverständlich auch). Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Fast jedes sichtbar getragene Kleidungsstück eignet sich. Idealerweise wird eine leicht zu merkende, für sich selbstsprechende Webadresse (siehe oben) deutlich sichtbar getragen. Zum Beispiel auf der Rückseite einer Jacke (dran denken: Reporter stehen ja meistens in vorderster Reihe). Natürlich spricht auch nichts gegen die Vorderseite. Gleiches gilt für Kappen, T- oder Poloshirts, Umhängetaschen, Rucksäcke usw.

Alles ist heute in guter Qualität für kleines Geld individuell bedruckbar. Dabei muss man nicht auf Angebote im Netz zurückgreifen, auch kleine Druckereien oder Werbemittelanbieter vor Ort sind in der Regel nicht viel teurer. Außerdem können vor Ort viel besser Abmachungen getroffen werden, vielleicht gibt es im Gegenzug zu einer kleinen Anzeige auf dem Blog einen Rabatt, oder der Drucker verewigt sich mit seinem Logo zusätzlich auf dem bedruckten Objekt. Eine einheitliche Kleidung schafft außerdem eine Identifikation mit dem eigenen Angebot, das wirkt nach außen wie nach innen. Wer hier nicht groß investieren möchte, kann es auch in Heimarbeit probieren. Bügelfolien zum Selbstbedrucken sind für kleines Geld zu haben. Damit kann übrigens auch der Popschutz des Mikros individualisiert werden.

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Promise and deliver: die Aufschrift macht klar, was der Fahrer anzubieten hat.

Wenn Termine mit einem PKW wahrgenommen werden, der regelmäßig im Einsatz ist, kann auch dieser entsprechend beklebt werden. Auch hier hilft eine leicht zu merkende Webadresse, zum Beispiel in der Heckscheibe oder auf dem Kofferraumdeckel. Für die Smartphone-Affinen kann auch ein QR-Code aufs Auto geklebt werden.

Tipp 3: Flyer und Visitenkarten

Mit einem Stück Papier hat man was in der Hand. Klar, eine Binse. Aber neben dem haptischen Eindruck transportiert Papier eben seit Jahrtausenden Informationen. So kann ein nett gestalteter Flyer auf Papier für das eigene Medium im Internet werben, das ist kein Widerspruch. Hier sollte für die Gestaltung jedoch wirklich professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Der Druck kann ebenfalls in der Druckerei vor Ort erfolgen oder in einer Internet-Druckerei. Mehrere Tausend Flyer sind in der Regel für unter 50 Euro zu haben.

Die Verteilung der Flyer ist etwas aufwändiger. Man kann sich zum Beispiel samstags in die Fußgängerzone stellen (in manchen Kommunen sind hierfür Genehmigungen erforderlich, am besten beim Ordnungsamt nachfragen) oder die Flyer unter die Scheibenwischer parkender Autos stecken. Man kann sie in Geschäften auslegen oder natürlich bei jeder sonstigen Gelegenheit verteilen, zum Beispiel wenn Reporter vor Ort bei einer Veranstaltung sind. Dann sehen andere Besucher eventuell das bedruckte Auto auf dem Parkplatz, den Reporter/die Reporterin mit der Webadresse und erhalten noch einen Flyer. Drei Kontakte auf einmal, die eher dazu beitragen, sich an das Gesehene zu erinnern, als wenn die Werbebotschaft nur einmal gesehen wird.

Tipp 4: Veranstaltungen und unternehmerischer Tauschhandel

Jetzt wird es noch mal eine Nummer größer. Wo viele Menschen zusammenkommen, ist idealerweise eine Gelegenheit, sich und sein Medium zu präsentieren. Wer nicht gerade als Einzelkämpfer unterwegs ist, kann einen Stand auf einem Straßen- oder Dorffest, auf der Kirmes, dem Schützenfest (oder was in der Region eben gerne so gefeiert wird ) oder dem Weihnachtsmarkt mieten. Das ist vom Kosten- und Personalaufwand natürlich beträchtlich und muss erstmal finanziell gestemmt werden. Vielleicht bietet sich ja auch hier eine Absprache an.

Alles kostet Geld, doch mit ein wenig Verhandlungsgeschick lässt sich der eine oder andere Posten im Preis drücken. Statt Geld wird für eine Leistung etwas anderes geboten, bei einem Medium ist das in der Regel Aufmerksamkeit. Beispiel: Meine Druckerei vor Ort „sponsert“ ein bisschen was von meinem gedruckten Material und wird dafür mit einer kostenlosen Anzeige im Blog bedacht. Das geht mit einer anonymen Internet-Druckerei freilich weniger gut.

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Wer am Markt erfolgreich sein will, muss am Markt präsent sein.

Oder die Macher einer Veranstaltung erlassen die Standmiete und kriegen dafür eine umfassendere Berichterstattung als sie sie von jedem anderen Medium bekommen würden. Selbstverständlich unter Einbehaltung aller journalistischen und presserechtlichen Grundsätze. Entsprechende Kooperationen müssen gekennzeichnet sein.

Der Journalist als Marketeer

Für das eigene Medium werben ist notwendig, um wahrgenommen zu werden. Das geht am besten da, wo man auf die Zielgruppe trifft. Die Kunst besteht letztlich darin, dass man sich einerseits in der Rolle als „Werbeträger“ wohlfühlt und andererseits Maßnahmen findet, die fürs eigene Schaffen nachweislich effektiv sind.

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Von Timo Stoppacher am 24.09.2018
Kategorien Best Practice, Lokaljournalismus, Trends

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