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Video im Lokaljournalismus: das Format entscheidet

Über die Hälfte der Deutschen schaut sich im Internet Videos an. Das zeigt die ARD/ZDF Onlinestudie von 2017. Darin liegt besonders für Lokaljournalisten und –blogger eine große Chance: Die Inhalte, die sie als Bewegtbild bieten können, gibt es so kaum auf anderen Medienplätzen.

Mobile Reporting

Die Umsetzung von Video im Lokaljournalismus hat allerdings trotz moderner Technik einige Tücken: „Wir unterscheiden, ob wir eine große, aufwändige Geschichte als Video machen, oder ob wir beispielsweise eher die Stimmung in der Stadt einfangen möchten“, sagt Christine Badke, Leitende Redakteurin im News-Team des Kölner Stadt-Anzeigers.

Davon hängt ab, mit welchem Equipment die Kölner arbeiten: „Wir haben Kameras, unterschiedliche Mikros und natürlich auch Zubehör fürs richtige Licht“, so Christine Badke. „Aber wenn wir ein Video für Facebook oder die anderen sozialen Kanäle machen, nutzen wir diese Ausrüstung in der Regel nicht, weil es schnell gehen muss und das Produkt oft nur wenige Sekunden lang sein wird. Dann arbeiten wir mit dem Smartphone. Damit lassen sich sehr gute Videos machen.“

„Alle müssen in Videos denken können“

Die braucht das Team des Kölner Stadt-Anzeigers so wie jedes Medium, das in den sozialen Kanälen aktiv ist. Denn Videos, vor allem Live-Videos, helfen dabei, nicht vom Algorithmus aussortiert zu werden. „Darum wollen wir unsere Video-Aktivitäten auch bei Instagram künftig ausbauen und Stories veröffentlichen“, sagt Christine Badke. „Außerdem sind wir über Video näher an unseren Rezipienten dran.“

Trotzdem müssen nicht alle Kollegen beim Kölner Stadt-Anzeiger von Text auf Bewegtbild umschulen: „Wir haben ein Experten-Team für Videos“, so Badke. „Uns ist jedoch wichtig, dass alle für das digitale Arbeiten in der Lage sind, in Video zu denken und schon bei der Themenplanung überlegen, was man als Film anbieten sollte.“

Darum bekommen auch die Mitarbeiter, die klassisch für Print ausgebildet wurden, erklärt, worauf sie achten müssen, wenn sie mit dem Smartphone ein Video aufnehmen: „nicht zoomen, nicht zu viel schwenken, Schnittbilder mitbringen“. Dieses Vorgehen fruchtet: Als der Kulturchef im Stau stand, weil eine Gänsefamilie die Straße überquerte, zückte er sein Smartphone. „Das Ergebnis war eine Geschichte, die auf den sozialen Kanälen super lief“, sagt Christine Badke.

Mobile Reporting als Lösung bei den Nordstadtbloggern in Dortmund

Auch Alexander Völkel von den Nordstadtbloggern in Dortmund beschäftigt sich mit dem Thema: „Wir wissen, wie wichtig Videos sind – gerade in den sozialen Medien“, sagt er. Das Problem: „Klassisches Video ist zeitaufwändig, und wir kommen schon so kaum mit der Berichterstattung hinterher“. Völkel hat aber nach einem Mobile Reporting Seminar an der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen ebenfalls Gefallen am Smartphone als Werkzeug für Journalisten gefunden.

„Speziell für die Berichterstattung von Demonstrationen, für Porträts oder Erklärvideos kann ich mir gut vorstellen, dass wir künftig das Smartphone als Kamera einsetzen“, sagt Völkel. „Allerdings wollen wir nicht zu bunt und kurz werden. Unser Fokus liegt weiter auf langen Text- und Fotobeiträgen wie zum Beispiel Sozialreportagen“.

Auch bezahlte Projekte wollen die Nordstadtblogger aufgrund der besseren Qualität in Zukunft weiterhin mit der digitalen Spiegelreflex, Leuchten und einer Funkstrecke, und nicht nur mit dem Smartphone produzieren.

KStA: Aufwändigere Videos sind zeitlos

Die langen, aufwändigen Videogeschichten werden im Gegensatz zu so genanntem Snack-Content in den sozialen Netzen auch beim Kölner Stadt-Anzeiger akribisch geplant und mit der klassischen Ausrüstung umgesetzt.

„Unser Ziel ist es, möglichst zeitlosen Content herzustellen, den wir immer wieder einbinden können“, sagt Christine Badke. Beispiel: Als der Rhein Hochwasser hatte, hat die Redaktion ein Video gemacht, das erklärt, welche Auswirkungen der steigende Pegelstand auf die Stadt hat.  „Dieses Video kann erstens für sich stehen, und zweitens können wir es immer wieder einbinden, wenn das Wasser im Rhein steigt“, sagt Christine Badke.

Künftig noch mehr Video im Netz

Videogeschichten des Kölner Stadt-Anzeigers bei Instagram, kurze Filme bei den Nordstadtbloggern: Internetnutzer können sich also auf noch mehr Bewegtbild im Netz auf journalistischen Seiten freuen. Vermehrt mit dabei werden künftig übrigens auch die Ruhr Nachrichten sein. Dort baut man gerade entsprechende Strukturen auf. „In unserem neuen Portal, das im Juli live gehen soll, wird Video eine viel größere Rolle spielen als jetzt“, kündigt Philipp Ostrop, Mitglied der Chefredaktion, an.

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Von Timo Stoppacher am 16.04.2018
Kategorien Lokaljournalismus, Praxistipps, Trends

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