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Mucbook – ein Schaufenster für Subkultur in München

Ein Interview mit dem Mucbook-Gründer Marco Eisenack.

Welche Idee steckt hinter Mucbook?
Es bestand die Gefahr, dass es thematische Lücken im Lokaljournalismus in München gibt – trotz der großen Vielfalt, die man mit fünf Tageszeitungen hat, die durch ihre Finanzierung aber auf bestimmte Leserkreise fixiert sind. Wir hatten das Gefühl, es gibt ein Defizit bei den subkulturellen Themen und haben Mucbook als ein Schaufenster der guten Sachen gegründet. Zugleich wollten wir auch die vielen bestehenden Blogs besser vernetzen, indem auch die Bloggerinnen und Blogger beitreten und ihre Geschichten an unsere Leserinnen und Leser verteilen können. So ist Mucbook ein Buch mit den vielen Seiten dieser Stadt.

Logo Mucbook

Wie sah die Startphase von Mucbook aus?
Mucbook ist 2009 online gegangen, als Schaufenster ohne Werbung, sodass wir auch noch kein Geschäftsmodell hatten und das Projekt aus anderen Jobs finanziert haben. Dann haben wir gemerkt, dass Informationen auf Papier im Lokaljournalismus noch einige Jahrzehnte eine total beliebte Darreichungsform bleiben wird. Auch gibt es im Lokaljournalismus die Möglichkeit, dass man den Vertrieb rentabel organisieren kann. Und plötzlich waren wir beim totgesagten Papier.

Wie hat sich Mucbook nach der Startphase weiterenwickelt?
Heute gibt es bei Mucbook drei Dimensionen: Online, Print und einen Member Club. Nachdem wir Online und Print hatten, haben wir festgestellt, es gibt das Bedürfnis der Menschen, sich zu treffen und sich auszutauschen. Deshalb haben wir es zu einem strukturellen Thema von Mucbook gemacht und bieten einen Member Club, damit gehört man zur Familie und trifft sich immer wieder.

Wer sind die Gründer?
Wir waren ein Team aus drei Mitarbeitern der Süddeutschen Zeitung, zwei der Gründer haben sich inzwischen bei Mucbook zurückgezogen.

Wie funktioniert die Finanzierung von Mucbook?
Weil Mucbook kein Geschäftsmodell hatte, habe ich eigenes Geld investiert, um durchzuhalten und auf den richtigen Moment zu warten, ohne irgendwelche Partner reinzunehmen. Ich habe mir gesagt, dann verdiene ich lieber nichts oder zahle drauf und behalte meine Freiheit. Bis plötzlich eine Werbeform erschienen ist, die mit Mucbook kompatibel ist: das Native Advertising. Wenn die Unternehmen wollen, dass wir Geschichten erzählen und kein Banner zeigen, dann kriegen sie auch ein Schaufenster wie die Blogger, aber müssen dafür bezahlen. Das funktioniert so wunderbar, dass wir inzwischen vier Vollzeit-Stellen zu dem Thema haben.

Startseite des Münchener Stadtmagazins Mucbook
Startseite des Münchener Stadtmagazins Mucbook

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Mucbook?
Ein gekennzeichnetes Tagebook, das wir erstellen, kostet mindestens 500 Euro und findet reißenden Absatz – aktuell veröffentlichen wir ein Tagebook pro Tag. Mucbook finanziert sich tatsächlich über diese Werbeform und das Printheft über Anzeigen sowie den Verkaufspreis von vier Euro. Wir veranstalten auch Events – sogenannte Blogger Markets und starten nun einen Webshop. Diese Vielfalt der Erlöse, das ist etwas, was man unbedingt machen muss, weil sie zusätzlich auch einen Werbe-Effekt haben.

Welche Ziele streben Sie für die nächsten Jahre an?
Wir hoffen noch mehr durch den Member Club als Vertriebsarm zu erlösen, weil wir damit keine Produktionskosten haben wie für Print und Online. Eigentlich möchte ich, dass Mucbook in 20 Jahren der Platzhirsch unter den Münchner Magazinen ist – wir können noch viel machen und entwickeln.

3 Learnings von Mucbook-Gründer Marco Eisenack

  • Man muss zäh sein, sonst braucht man es gar nicht versuchen. Dieses Durchhaltevermögen hat man, wenn es einem wirklich Spaß macht.
  • Das Thema Vertrieb ist nicht einfach, wenn man ein Magazin verkaufen will, denn der Presse Grosso, also der Pressegroßhandel, funktioniert für ein lokales Medien-Projekt nicht.
  • Man sollte nicht unterschätzen, wie viel man in Marketing investieren muss, um bekannt zu werden, obwohl man denkt, mit Facebook ist man schnell bekannt. Aber es gibt so viele Bereiche der Gesellschaft, die nicht in Social Media sind.

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Von Christina Quast am 05.10.2017
Kategorien Finanzierung, Lokaljournalismus, Vor Ort NRW

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